Schlaflos durch die Nacht Frei übersetzt bedeutet Insomnie „Schlaflosigkeit“. Damit verfehlt der Begriff im Grunde den Kern des Problems. Denn Insomniker und Insomnikerinnen können durchaus schlafen, gleichwohl verkürzt bzw. erheblich verkürzt. Eine Insomnie ist also keineswegs mit vollständiger Schlaflosigkeit zu verwechseln. Vielmehr umschreibt sie die vielfältigen Formen der Ein- oder Durchschlafstörungen. Der Verdacht auf eine Insomnie kann bestehen, wenn Sie oftmals
lange Zeit benötigen, um einzuschlafen
vergleichsweise schnell einschlafen, jedoch nach kurzer Zeit wieder erwachen
gegen Ihren Willen bereits in den frühen Morgenstunden aufwachen und nicht mehr einschlafen können
unter einer Kombination vorgenannter Punkte leiden
Angst vor dem Bett Menschen mit Ein- und Durchschlafstörungen stehen oft unter einem erheblichen Leidensdruck. Das Bett, eigentlich Ort der Entspannung und Erholung, wird zunehmend als Ort der Qual, des angespannten Grübelns und Problemewälzens empfunden. Tritt die Insomnie über einen längeren Zeitraum auf, können die Betroffenen in einen richtiggehenden Teufelskreis geraten: Die Angst, mangels ausreichenden Schlafes am Tage zu versagen, verstärkt sich von Nacht zu Nacht. Je länger die Schlafdefizite anhalten, desto stärker besteht das Bedürfnis, den Schlaf mit aller Gewalt herbeizwingen zu wollen. Doch Schlaf und Anspannung schließen sich gegenseitig aus, das Ein- oder Durchschlafen misslingt erst recht.
Risikogruppen und Ursachen Rund 5 Millionen Bundesbürger und –bürgerinnen leiden unter Insomnie. Ungeachtet des Alters, des Geschlechts oder der sozialen Herkunft können Ein- und Durchschlafstörungen grundsätzlich jeden treffen. Allerdings leiden Frauen häufiger als Männer an Insomnie. Auch findet sich Insomnie überdurchschnittlich häufig in der Altersgruppe der 30 bis 65-Jährigen. Die Ursachen von Ein- und Durchschlafstörungen sind so vielfältig wie ihr Erscheinungsbild: Auslöser können beispielsweise Umweltfaktoren, der persönliche Lebensstil, Schichtarbeit, häufiger Zeitzonenwechsel, Stress, aber auch ernstzunehmende organische und psychische Erkrankungen sein. Gereizt durch den Tag: Folgesymptome Das Tagesgeschehen von Insomnikern und Insomnikerinnen wird häufig von Tagesmüdigkeit, Konzentrationsmangel, vermindertem Reaktionsvermögen, Erschöpfungszuständen, erhöhter Reizbarkeit und veränderter Wahrnehmung getrübt. Chronisch gestörter Schlaf kann das Immunsystem schwächen, organische Erkrankungen nach sich ziehen. Da Schlafen zu den Grundbedürfnissen des Organismus zählt, holt sich der Körper den herbeigesehnten Schlaf möglicherweise am Tage. Dieser so genannte „Sekundenschlaf“ übermannt Sie schlimmstenfalls zu ungünstiger Zeit, etwa während Sie arbeiten oder Auto fahren. Viele Insomnie-Patienten und Patientinnen setzen dauerhaft Schlafmittel ein. Arzneimittelabhängigkeit kann die Folge sein.
Wann zum Arzt? Nahezu jeder von uns wird im Laufe seines Lebens von leichten Schlafstörungen gequält. Dies ist kein Grund zur Besorgnis. Können Sie jedoch längerfristig nicht ein- oder durchschlafen und ist Ihr Allgemeinbefinden am Tage beeinträchtigt, empfehlen wir, einen fachkundigen Arzt aufzusuchen. In der Medizin wird Insomnie nicht als Erkrankung, sondern – Bauchschmerzen oder Fieber vergleichbar - als Symptom bewertet. Es gilt daher, Schritt für Schritt die eigentliche Ursache des Symptoms zu ergründen. Nur auf diese Weise können schwerwiegende organische oder psychische Grunderkrankungen ausgeschlossen, ein erfolgreiches Therapiekonzept entwickelt werden. Gegebenenfalls wird Ihnen Ihr Arzt den Besuch eines Schlaflabors ans Herz legen. Untersuchung im Schlaflabor Sollte Sie Ihr Hausarzt an ein Schlaflabor überweisen, wird man dort zunächst während eines halb- bis einstündigen Gespräches in aller Ruhe versuchen, die Ursachen Ihrer Ein- oder Durchschlafstörungen zu ergründen. Es wird eruiert, wann, in welchen Situationen und in welcher Ausprägung Ihre Schlafstörung auftritt. Sofern nötig, werden auf Basis dieser Angaben weitere Untersuchungen oder Maßnahmen in die Wege geleitet.
Erstellung eines Schlaftagebuches Die so genannten „Schlaftagebücher“ zählen noch immer zu den wichtigsten Instrumenten der Ursachenanalyse. Dabei werden Sie gebeten, anhand von Vordrucken über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen morgens und abends Ihr Schlaf-Wach-Verhalten sowie besondere Tagesereignisse knapp zu protokollieren. Schlaftagebücher sind nicht nur bei der Ursachenerforschung ausgesprochen hilfreich, sondern bieten auch wichtigen Aufschluss über den Erfolg der jeweils eingeleiteten Therapie.
Aktigraphie In guten Schlaflaboren besteht die Möglichkeit, anhand eines modernen ambulanten Untersuchungsverfahrens, der so genannten Aktigraphie, Ihre persönlichen Aktivitäts- und Ruhe- bzw. Schlaf- und Wachphasen über mehrere Tage hinweg exakt zu messen. Auf diese Weise kann überprüft werden, ob Sie beispielsweise unter einer Störung der Tagesrhythmik (Störung des inneren Zeitgebers) leiden.
Wie behandelt man Insomnie? Insomnien lassen sich nicht pauschal behandeln. Im Zentrum einer erfolgreichen Therapie muss immer die Berücksichtigung der individuellen Ursachen stehen. Manchmal hilft es schon, seine Schlafgewohnheiten zu verändern. In anderen Fällen mildert eine Lichttherapie die Symptome. Vereinzelt empfiehlt sich auch die kurzzeitige Einnahme von Schlafmitteln. Ein nicht zu unterschätzender Anteil der Ein- und Durchschlafstörungen basiert auf persönlichen Problemen. Wir arbeiten daher eng mit erfahrenen Psychotherapeut/innen zusammen. Außerdem bieten wir Insomnikern und Insomnikerinnen an, an unserer Schlafschulung teilzunehmen.
Formen der Insomnie Je nach Ursache, Erscheinungsbild und Verlaufsform unterscheidet man zwischen mehreren Formen der Insomnie:
1. Primäre Insomnien
Psychophysiologische Insomnie Dies ist die meistverbreitete Form der Insomnie. 10% der Bevölkerung leiden unter dieser Variante der Ein- und Durchschlafstörung. Sie entsteht bei chronisch erhöhter körperlicher und emotionaler Anspannung.
Idiopathische Insomnie Hierbei besteht ein lebenslanges, oft seit früher Kindheit nachweisbares Unvermögen, ausreichend Schlaf zu finden. Als Ursache wird eine neurologische Störung der schlafwachregulierenden Systeme im Gehirn vermutet.
Fehlbeurteilung des Schlafes In diesem Falle wird die tatsächliche Schlafdauer deutlich zu gering eingeschätzt.
2. Sekundäre Insomnien
Insomnien bei psychiatrischen Erkrankungen (Depressionen, Angsterkrankungen etc.)
Insomnien bei organischen und neurologischen Erkrankungen (z.B. Schilddrüsen- oder Herz-Lungen-Erkrankungen, Diabetes)
Insomnien, die durch Drogen, Alkohol oder Medikamente hervorgerufen werden
Exogene bzw. umweltbedingte Insomnien (Lärm, akuter Stress, unzureichende Schlafhygiene etc.)